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Thomas Schlesier
   

Mittwoch, den 01.06.2005

Zwischen 7:00 und 7:30 Uhr wurde ich geweckt. Ein Pfleger maß meinen Blutdruck, Puls und Temperatur. Alles o.k.. Ich war viel zu müde um aufzustehen, aber es muss ja schließlich sein. Also wusch ich mich und zog mich an. Bis 11:30 Uhr passierte gar nichts, außer das Frau Dr. S. und Dr. H. kurz vorbei kamen. Dann sollte alles sehr schnell gehen. Es ging los mit der CT (Computertomographie). Das heißt ab in die Röhre, Kontrastmittel gespritzt und scheibchenweise Bilder des Oberkörpers anfertigen. Nach ca. 20 Minuten war die Sache erledigt, und ich wurde zur nächsten Station geschickt. Ich durfte nun zum Ultraschall. Meine Premiere in Sachen Ultraschall. Innerlich bereitete ich mich ja schon auf die Schreckschraube von gestern vor, aber siehe da: ein junger, dynamischer freundlicher Arzt nahm die Untersuchung an mir vor. Dies dauerte ebenfalls nicht lange und er meinte es sei alles in Ordnung. Nun folgte der Höhepunkt des heutigen Tages: Kernspintomographie oder MRT genannt. Hier wurde mein Gehirn, ebenfalls, scheibchenweise aufgenommen. Beim letzten Mal hatte ich hier einen 5 mm großen Tumor. Diesmal war das Ding groß! Es war nicht nur groß, es ist für mich beängstigend groß! Mit dem Doktor sah ich mir die Bilder an, und ich sah nur einen riesen, weißen Fleck, mitten in meinem Gehirn. Er sagte man müsse hier dringend was tun. Mehr wollte ich jetzt nicht wissen. Ich war zu geschockt. Ein Moment wo ich gerne mal wieder richtig geheult hätte, aber es ging nicht. Erstmal waren überall die Leute und auf meinem Zimmer war ich auch nicht allein. Eigentlich dachte ich mich kann nichts mehr schockieren, aber wenn man in seinem Kopf ein Vogelei großes Ding sieht, wird einen ganz anders. Man verliert für einen kurzen Moment den Mut und die Hoffnung. Hoffnung zu verlieren, ist das schlimmste was es gibt. Es bedeutet Aufgabe, und aufgeben werde ich wohl noch lange nicht. Also Kopf hoch, das Wasser in den Augen unterdrückt und zum Telefon gegriffen. Ich brauchte jetzt Ablenkung und wollte nur noch raus aus diesem Krankenhaus. Egal ob ich ärger bekomme oder nicht, bloß weg hier. Gut das Claudia erreichbar war. Sie holte mich eine dreiviertel Stunde später ab. Ein paar Stunden konnte ich zuhause verbringen, bevor sie mich am Abend zurück nach Bremen ins Klinikum Ost brachte.

Donnerstag, den 02.06.2005

Früh hatte ich eine Bronchoskopie, bei der mir eine Gewebeprobe des linken oberen Lungenflügels entnommen wurde. Mit Schrecken erinnerte ich mich heute an meine letzte Bronchoskopie, im Dezember. Anders wie damals, ließ ich diesen Eingriff diesmal unter Narkose vornehmen. Somit war die Entnahme deutlich angenehmer als damals. Gegen 13:30 Uhr hatte ich dann noch eine Knochenuntersuchung in der Radiologie. Hier wurden Auffälligkeiten an der Hüfte festgestellt, daher vermutlich auch meine Schmerzen auf der linken Seite, seit einigen Tagen. Die Schatten an den Rippen waren verschwunden, wenigsten dies ein gutes Zeichen.
Nachmittags kamen Professor Dr. U. und Dr. S. zur Visite in mein Zimmer. Mein Zimmerkollege wurde bereits entlassen, so dass das Gespräch unter 6 Augen stattfinden konnte. Die Pläne mit Alina am Wochenende nach Hamburg zu fahren, hat er mir durch seine Mitteilungen leider zerschlagen. Ich bin darüber sehr traurig! Lange habe ich diese gemeinsame Fahrt vorbereitet und es sollte ein ganz besonderer Tag für Alina werden. Gemeinsam wollte ich mit ihr diese wunderbaren Eindrücke des Musicals König der Löwen erleben, damit sie stets eine besondere Erinnerung an mich haben kann. Der Gehirntumor ist in seiner Größe nicht nur für mich beängstigend. Es besteht die Gefahr von Krämpfen und daher dringend Handlungsbedarf. Der Herr Professor eröffnete mir, dass eine Bestrahlung des Hirntumors notwendig ist und ich ab sofort Tabletten einnehmen muss. Weiterhin muss morgen noch eine weitere Röntgenuntersuchung des Hüftbereiches erfolgen, um auch hier Maßnahmen ergreifen zu können. Eigentlich wollte ich heute nach Hause, aber wie schon öfters macht mir der Grund meines Aufenthalts einen Strich durch die Rechnung. Krebs ist hinterlistig und unberechenbar. Ein planbares Leben ist nicht mehr möglich, da er mich täglich von neuem überraschen kann. Spontan und flexibel werde ich die nächsten Wochen und Monate für mich gestalten. Zu warten wäre sinnlos. Die Zeit kann mir eh keiner mehr zurückgeben.
Ich rief Claudia an und informierte sie darüber, dass ich nicht nach Hamburg fahren kann. Vielleicht hat sie die Möglichkeit ihren Samstagsdienst zu tauschen, damit sie mit Alina fahren kann. Sollte es bei ihr nicht klappen werde ich schon eine Lösung finden. Auf jeden Fall wird meine Alina am Samstag König der Löwen in Hamburg sehen!

Freitag, den 03.06.2005

Wieder ein aufregender und schwieriger Tag, der hinter mir uns liegt. Morgens war ich nochmals zur Röntgenuntersuchung. Diese war notwendig, um die auffälligen Stellen an der Hüfte näher untersuchen zu können. Nach näherer Diagnostik wird vermutlich auch eine Bestrahlung der Hüfte vorgenommen.
Gegen 11:00 Uhr kam Claudia ins Krankenhaus und kurz darauf kam Herr Dr. H., zu einem Gespräch zu mir aufs Zimmer. Es waren, besonders für Claudia, wieder schwere Momente in der sowieso schon kraftraubenden Zeit. Prinzipiell ist der Rückgang des Tumors in der Lunge natürlich eine gute Sache. Durch den Rückgang habe ich beispielsweise keinen schmerzhaften Husten mehr und kann wesentlich besser Atmen. Bedauerlich sind die Ausbreitungen in Form von Metastasen, meiner Lungenkrebserkrankung. Der Tumor in meinem Gehirn ist so eine Metastase und hat einen Durchmesser von 2 cm und ist zusätzlich von einem Wassermantel umgeben. So jedenfalls haben wir es beide verstanden. 2 cm klingt vielleicht nicht viel, aber wenn ihr ein Computerbild eures Gehirns seht, mit einem weißen Fleck in dieser Größe der zusätzlich noch Wasser ums sich hat, dann ist dass für euch das größte Geschwür was ihr euch vorstellen könnt. Ich habe Angst vor der geplanten Bestrahlung. Wer möchte sich auch schon in seinem Kopf rumfuhrwerken lassen? Die Angst hatte ich jedoch auch vor der Chemo. Es ist die Ungewissheit vor dem was einen erwartet und wie die Nebenwirkungen sein werden. Ansonsten bin ich schon überzeugt, dass die Damen und Herren in weiß schon wissen was sie tun. Die Bestrahlung wird voraussichtlich ab dem 10.06.05 beginnen und dann 4 bis 5 Mal wöchentlich erfolgen. Insgesamt wird mein Gehirn aller Wahrscheinlichkeit nach 10 Mal bestrahlt werden. Soviel konnte mir Dr. H. bisher mitteilen. Einen früheren Termin für mich zu bekommen war nicht möglich. Herrn Dr. H. ist es zu verdanken, dass ich am 10. schon dran komme, denn eigentlich sollte die Bestrahlung erst am 20-zigsten möglich sein, laut dem Krankenhaus Bremen Mitte, wo die Bestrahlung durchgeführt werden wird. Glücklicherweise befindet sich der Tumor in einer „günstigen“ Stelle, also in einem Bereich der nicht für meine geistige Fähigkeit verantwortlich ist. Dennoch muss sehr schnell etwas passieren. Die Ärzte würden am liebsten gleich Anfang nächster Woche mit der Strahlentherapie beginnen. Für mich selbst ist nur zu spüren, dass ich gelegentlich ein paar Worte vertausche. So sage ich manchmal heiß und meine kalt und gegen Abend habe ich des Öfteren leichte Kopfschmerzen. Ich dachte immer es sei Einbildung, mit dem Wörterverwechseln, aber nun wurde mir dies auch von ärztlicher Seite bestätigt. Natürlich konnte ich es nicht lassen, den Herrn Dr. H. nach meiner Lebensperspektive zu fragen. Ganz gezielt fragte ich, nach ein paar einführenden Worten über die Erfolge im Bereich der Lunge und der hoffentlich erfolgreichen Strahlentherapie, ob ich dann jetzt zumindest im fünf Jahresbereich denken könne. Ein Kopfschütteln und die Standardantwort aller Ärzte, dass sich meine Lebenserwartung deutlich reduziert hat und mir niemand genau sagen könne wie lange es wohl noch gehen kann, befriedigten mich noch nicht und ich fragte, ob ich denn im Bereich von zwei bis drei Jahren planen können. Hier erhielt ich dann ebenfalls ein Kopfschütteln. Ich selbst, meine Eltern, meine Verwandten und Freunde, besonders aber meine eigene Familie müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass ich ein Leben auf Abruf führe, indem sich täglich irgendetwas ändern kann. Wer gut gemeinte Sprüche wie du schaffst dass schon, oder das wird schon wieder äußert, hat leider den Tatsachen noch nicht richtig in die Augen geschaut. Ich verlange dies auch nicht von euch, denn wer kann so eine Vorstellung schon richtig auf meine Person projizieren? Bin ich doch für alle und auch für mich selbst ein starker, agiler Typ, der sich gerne unterhält, gerne lacht und stets Freude an einem guten Glas Wein in den Abendstunden hat. Wenn ich sage wir müssen uns damit anfreunden, soll das nicht ein aufgeben von mir sein. Ich bin jedoch ein Realist, der Tatsachen und Möglichkeiten auswertet, um ein Ergebnis zu erhalten. Meine Hoffnung auf die voranschreitende Wissenschaft im Bereich der Krebsforschung wird sich bis zu meiner letzten Stunde nicht erschöpfen.
Während des Gespräches zwischen Claudia, mir und Dr. H. war Claudia sehr tapfer und erstaunlich gefestigt. Sie hörte aufmerksam zu und stellte ebenfalls einige Fragen. Erst als wir alleine im Zimmer waren brachen die Gefühle aus ihr heraus. Da ich gerade noch eine Infusion für meine Knochen bekam, legte sie sich zu mir ins Bett und ich hielt sie im Arm und sie weinte. Was mir in diesem Augenblick leid tat war, dass ich nicht weinen konnte. Auf der anderen Seite konnte ich ihr dadurch viel Kraft geben, und beruhigende Worte zu ihr sagen. Aber konnte das wirklich beruhigend sein, nachdem sie aus ärztlichem Munde meinen neuen Sachstand erfahren hat?
Nach ziemlich genau zwei Stunden ist die Infusion durchgelaufen. Wir packten meine sieben Sachen und fuhren nach Wildeshausen. Mit den Kindern aßen wir am Abend Spargel. Natürlich gab es einen guten „Hochzeitswein“ dazu (nicht für die Kinder). Für euch meine lieben Freunde, Verwandte und alle die sich mit uns verbunden fühlen, habe ich dann noch diese Worte geschrieben. Auch für meine Kinder, dir irgedwann wenn sie groß sind, anhand dieser Seite erfahren können was ihre Eltern damals erlebt und gedacht haben. Ich liebe euch!

Samstag, den 04.06.2005

Alina freute sich seit Wochen auf König der Löwen. Nun sollte alles platzen wegen dieser blöden Krankheit? Nicht mit mir! Zum Glück hat man Freunde wie Timo Rohwedder die einem helfen wenn man sie braucht. Also ging es ab nach Hamburg ins reservierte Hotel und in Nachmittagsvorstellung. Abends haben Alina, Timo und ich noch einen kleinen Streifzug durch Hamburg gemacht. >> Es war ein gelungender Tag.
Die Hüfte bereitet mir Schmerzen beim gehen, sonst ist alles o.K..

Sonntag, den 05.06.2005

Für Alina war das Frühstücksbuffet im Hotel natürlich was ganz besonderes. Als wir uns satt gegessen hatten, holte uns auch schon Timo ab und es ging wieder zurück nach Wildeshausen.

Montag, den 06.06.2005

Pünktlich 08:30 Uhr trafen Claudia und ich auf Station 53 ein. Nach ca. 1 Stunde wurde mir dann Blut abgenommen und es sollte nun eine erneute CT-Untersuchung der Hüfte erfolgen. Doch leider war das Gerät defekt. Ich bat um weitere Beurlaubung und durfte dann nach Hause. Morgen soll’s dann wohl klappen.

Dienstag, den 07.06.2005

Der Hüftbereich wurde per Kernspintomographie erneut untersucht. Bestrahlung soll ebenfalls erfolgen.

Freitag, den 10.06.2005

Die letzten Tage waren für Claudia und für mich nicht einfach. So ein Ding in Kopf zu haben und nicht genau zu wissen, was jetzt folgen wird, war für mich zwischendurch unerträglich. Ich wollte unbedingt erfahren was ich nächster Zeit tun kann und was nicht, und vor allem wann? Dauert das ganze jetzt wieder Wochen, Monate oder habe ich endlich mal ein größeres Stück „Pause“? Schließlich ist uns allen wohl inzwischen klar, das selbst dieser Hirntumor eine Randerscheinung meines eigentlichen Lungenkrebses ist und an weiteren Stellen jederzeit Dinge entstehen können auf die ich lieber verzichten würde.
Vor 2 Wochen hatte ich für Claudia und mich einen Wochenendausflug nach Potsdam geplant. Ich wollte mit ihr Sanssouci anschauen. Heute sollte jedoch auch die erste Besprechung zur Strahlentherapie erfolgen. Was nun? Absagen, stornieren? Dann werde ich wohl nie mehr was Vernünftiges unternehmen. Planbarkeit ist nicht mehr! Und auch für Claudia war es jetzt an der Zeit mal wieder was zu tun. Wer sie sieht denkt immer das blühende, fröhliche Leben, aber ich kenn auch eine andere Seite an ihr und diese Seite hatte sie gerade in der letzten Woche ganz schön geschwächt. Kurzum, für mich stand fest: Wir sollten nach Potsdam fahren!
11:15 Uhr hatten wir dann, im Klinikum Bremen Mitte, meinen ersten Besprechungstermin für meine Bestrahlung. Zwei Ärzte klärten mich über unsere Möglichkeiten auf, über Gefahren, Nebenwirkungen usw. Dabei wurden dann gleich ein paar Untersuchungen durchgeführt und meine Sinne getestet. Soweit alles im grünem Bereich. Die eigentliche Bestrahlung wird am Dienstag beginnen. Das ganze dauert etwa 10 – 15 Minuten und es wird mein gesamter Kopf bestrahlt, sowie die Hüfte. Die Bestrahlung muss 10 x stattfinden, also an 10 verschiedenen Tagen. Das war’s. Nach diesem Gespräch waren Claudia und ich sehr erleichtert. Wir wussten jetzt worum es geht und wie es geht. Die Nebenwirkungen sind gering, wenn man mal davon absieht, dass das menschliche Gehirn nicht zur Bestrahlung geschaffen ist. Ich werde wohl so eine Art Sonnenstich haben und die Haare, naja … Wichtig war für mich, dass ich nicht Stunden unter einer Maske angekettet bin und dann bestrahlt werde und dadurch Wochen dahinvegetierte. Kurz, schnell, schmerzlos!
Nach diesen beruhigenden Informationen sind wir dann nach Potsdam gefahren. Am frühen Abend kamen wir in unserem Hotel an und ließen den Tag langsam ausklingen.

Samstag, den 11.06.2005

Claudia und ich sind in Potsdam und besichtigten das Schloss Sanssouci. Am Abend trafen wir uns mit Heiko (der Lange) und seiner Frau. Ein netter Ausklang. Als Claudia dann schon schlief sah ich noch ein wenig fern und sah sie mir an. Da wußte ich, dass es mal wieder richtig von mir war trotzdem gefahren zu sein, denn sie baruchte mal den Tapetenwechsel, auch wenn er nicht's besonderes war.

Sonntag, den 12.06.2005

Auf der Rückfahrt von Potsdam haben wir kurz bei meinem Vater gehalten. Ein kurzes aber schönes Wiedersehen. Zu Hause hatten wir dann auch gleich wieder Besuch. Die Dekkers. Wir hatten uns ja fast eine Ewigkeit nicht gesehen und Petra wußte auch noch gar nicht genau bescheid.

Dienstag, den 14.06.2005

Habe heute meine erste Strahlentherapie im Klinikum Bremen Mitte bekommen. Schon wieder neue Geräte und Empfindungen, die auf mich eingewirkt haben. Das macht mir zwar nicht mehr soviel Sorgen wie früher, aber jedes Mal unter einer neuen Apparatur, denke ich über meine Situation vom neuen nach. Das ist nicht immer einfach, ich gebe mich halt immer mehr hin. Ihr dürft dass nicht falsch verstehen, es ist kein hingeben in Form von aufgeben, ich habe nur eine sehr erstaunliche innere Ruhe gefunden, die ganzen Therapiestufen meiner Krankheit zurückzulegen.
Die Bestrahlung selbst war relativ unspektakulär. Es wurde mit der Hüfte begonnen. Da habe ich schon mal gar nichts gemerkt. Dann wurde mir meine Maske übers Gesicht gestülpt, ich wurde angetackert und das Hirn wurde bestrahlt. Ein bisschen lila Kreise, ein bisschen roch es verbrannt - das war's. Nach zwanzig Minuten war alles vorbei.

Abends: Habe einen ganz schönen Sonnenstich als folge der Strahlung. Bin etwas wehmütig.

Mittwoch, den 15.06.2005

Zweite Bestrahlung. Ich bin einfach kaputt. Bin leer. Mein Gewicht nimmt beängstigende Maße an. Die Tabletten, die ich seit einiger Zeit nehmen muss, sind nicht gut für mich. Die müssen weg (natürlich nach Absprache)! Die schlagen voll auf die Psyche, dass geht so nicht. Ich schrieb heute an euch >> Link

Donnerstag, den 16.06.2005

Die letzten Tage waren sehr schlimm für mich. Ich war so kaputt, leer, traurig, dass ich im Gespräch mit Claudia lange und viel geweint habe. Leider habe ich es nicht geschafft mich wie immer zusammenzureißen, es musste diesmal alles raus. Es hat mir geholfen, aber es ist auch noch nicht ganz vorbei. Ein größeres Glück ist für mich das gute Wetter. Ich bin viel im Garten und wir sitzen am Abend alle gemeinsam am Abendbrottisch und genießen das Zusammensein. Das sind die Momente, an denen man wieder so unsagbar glücklich ist und das Leben nur noch genießt. Wir haben viel Spaß zusammen. Dieses wahnsinnige Enge zusammen liegen von Glück und Freude und dann wieder dieser Schmerz, ist fast nicht auszuhalten, weil es nicht kontrollierbar ist. Ich werde, wie bisher, meinen Kopf hoch nehmen, ich werde jetzt weiterhin Spaß haben, ich werde auch weiterhin traurig sein, ich werde meinen Kindern, wie bisher, versuchen trotz allen noch ein stolzes Vorbild zu sein, ich werde Claudia helfen, wie sie mir versucht zu helfen, und ich werde auch weiterhin so offen berichten, den das macht mich auch stark. Bei allem sollte jeder immer wissen, auch wenn ich meine Schwächen eingestehe, meine Schwachstunden sind im vergleich zu anderen wahrscheinlich noch starke Stunden. Ich werde immer an mich glauben.

Freitag, den 17.06.2005

Nach der Bestrahlung habe ich mit meinem Arzt gesprochen und ihn um Hilfe gebeten, da ich ja völlig neben mir stehe. Er bestätigte mir, dass durch die Einnahme der Cortison- Medikamente meine Psyche leidet, dies sei jedoch eine völlig normale Reaktion ist. Ab sofort beginnen wir mit der Reduzierung der Dosis, um eine schnelle Besserung zu erreichen.

Samstag, den 18.06.2005

Am Abend war eine kleine Gartenparty bei Uwe, mit gemeinsamen Freunden. Ich habe mich im Kreise eigener Freunde wie ein Fremder gefühlt. Im Moment ist nichts wie es einst war.

Sonntag, den 20.06.2005

Sonne! Claudia und ich frühstückten in der Sonne. Dann fuhren wir mit dem Fahrrad zu Angelo auf ein Eis. Den Nachmittag verbrachten wir bei meinem Freund Uwe, zum Geburtstagskaffee. Wieder habe ich einen schwierigen Tag hinter mir. Das viele Schöne dabei lindert viel.
Die Tablettendosis habe ich jetzt selbständig reduziert. Nur noch morgens eine Ganze, mittags und abends eine halbe. Es geht nicht anders.

Dienstag, den 21.06.2005

Nach meiner fünften Bestrahlung hatte ich ein Gespräch mit meinem Doktor. Zu meiner Erleichterung darf ich ab morgen die Dosis nochmals reduzieren. D.h. ich muss ab morgen nur noch die Hälfte der Medikamente nehmen. Da jetzt schon eine deutliche Besserung spürbar war, wird mich dies wieder langsam zu alten Thomas werden lassen.

Mittwoch, den 22.06.2005

Heute habe ich nur noch die Hälfte der Tabletten genommen. Ich fühle mich täglich besser. Habe stets alle Hände voll zu tun, bin immer in Gange.

Freitag, den 24.07.2005

Die letzten Tage waren nervlich immer noch eine Zerreisprobe für mich. Der Garten und die Sonne sind wichtige Begleiter. Eigentlich verbringe ich die Zeit, trotz körperlicher Aktivität im oder am Haus, mit warten. Warten auf die Nachricht:“ Herr Schlesier, Tabletten können Sie weg lassen.“. Dann nachmittags kommt das Taxi und dann ab nach Bremen – Bestrahlung – wieder zurück. Alles so stupide, mechanische Vorgänge. Noch zweimal, dann habe ich wenigstens das hinter mir.

Samstag, den 25.07.2005

Cocktailparty! Claudia und ich haben heute unsere Trauzeugen zu uns eingeladen. Wir haben uns eine Menge netter, kulinarische Sachen ausgedacht und es wurden Cocktails serviert. Es war eine gelungene Party und für uns alle eine willkommene Abwechslung.

Dienstag, den 28.07.2005

Zehnte und letzte Bestrahlung! Habe heute bereits nur noch eine halbe Tablette genommen. Es geht mir immer besser. Morgen früh werde ich zum letzten Mal eine halbe Tablette nehmen und dann werde ich in wenigen Tagen der Alte sein!

   
   

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