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Freitag, den 01.04.2005
| Zustand allgemein: |
normal bis schlecht |
| Einnahme Medikamente: |
nein |
| Einnahme Schmerzmittel: |
nein |
| Temperatur: |
36,6 |
| Übelkeitsgefühl: |
nein |
| Kopfschmerzen: |
nein |
| Schmerzen allgemein: |
- Fingerspitzen sind taub
- Beine |
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Tagsüber habe ich mich gut erholt und war am Abend mit Claudia zu einer privaten Feier eingeladen. Erst hatte ich leichte Schwierigkeiten aber nach einem gutem Glas Wein ging es dann wieder.
Sonntag, den 03.04.2005
Heute wurde ich getauft. Wir haben diesen Tag im kleinen Kreis mit den Dekkers verbracht. Ich hätte mir gewünscht dass meine Oma B. diesen Tag noch erlebt hätte. Sie war sehr kirchlich und ich habe früher so manchen Kirchengang mit ihr erleben dürfen/müssen. Fragt mich nicht warum ich mich taufen lassen habe. Erklären kann ich es euch nicht genau.
Dienstag, den 05.04.2005
| Zustand allgemein: |
normal bis schlecht |
| Einnahme Medikamente: |
nein |
| Einnahme Schmerzmittel: |
nein |
| Temperatur: |
36,8 |
| Übelkeitsgefühl: |
nein |
| Kopfschmerzen: |
nein |
| Schmerzen allgemein: |
- Fingerspitzen sind taub
- Knochen |
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Es ist Abend. Ich liege im Bett und schaue fern. Meine Knochen tun weh und dieses rauschen ist wieder präsent. Die erste Woche nach einer Chemo ist immer das Gleiche. Tagsüber mag alles einigermaßen gehen, solange ich nur etwas tue. Doch sobald ich zur Ruhe komme geht es los. Es kostet Kraft! Ich hab auch langsam kein Bock mehr. Die eine Runde, die noch folgt, wird bestimmt nicht witzig, aber dann folgt ja erstmal eine erholsame und befreiende Pause. An diesen Gedanken klammere ich mich zurzeit. Jetzt gerade fängt es im Brustkorb wieder an zu ziehen. Ich glaube so fühlt es sich bei Leuten an die dann gleich den Arzt anrufen mit der Vermutung auf Herzinfakt. Es ist ein Druck in der Brust, ein ziehen. Wenn ich nicht wüßte was in mir ist hätte ich jetzt auch Angst. Ich habe gelernt einiges auszuhalten. Morgen fahre ich trotzdem weg.
Mittwoch, den 06.04.2005
Obwohl ich mich nicht gerade im Leistungshoch befinde, bin ich zu Jörg nach Rheinbach gefahren. Abends waren wir Essen. Oder besser wir wollten Essen. Wir bestellten uns ein Pfeffersteak für mich und eine Grillpfanne für Jörg. Heute hatte ich den Genuß meine Lebenserfahrung um eine weitere Episode zu erweitern. Ich ließ erstmalig in meinem Leben ein Essen zurückgehen. Das Lokal nannte sich Steak Restaurant hatte eine gehobene Ausstattung und mein bestelltes Essen sollte 16,- € kosten. Noch nie in meinem Leben habe ich so ein schlechtes Steak serviert bekommen. Die Pommes Frites waren lappig, weich, einfach ekelhaft und dafür 16,- €? Das war zu viel. Ich ließ es komplett zurückgehen und aß heute nichts mehr. Viel zu oft nehmen wir schlechte Qualität hin, wenn wir alle immer schweigen wird sich daran nie was ändern. Wir tranken bei Jörg auf diesen Ärger eine schöne Flasche Wein.
08. - 10.04.2005 Wochenende
Gesundheitlich ist es bei mir zurzeit ein ständiges auf und ab. Es kommen neue Gefühle hinzu die mir Angst machen. Die Angst habe ich jedoch nur, weil ich diese Gefühle nicht kenne und nicht einzuschätzen vermag, ob sie noch schlimmer werden oder nicht. Also Angst durch Unsicherheit bzw. Unwissenheit. Ärgerlich ist das stets plötzlich und immer häufiger auftretende Nasenbluten. Es dauert immer lange eh es wieder aufhört.
Höhepunkt an diesem Wochenende war der Besuch meines alten Freundes und Bundeswehrkameraden Heiko (aufgrund seiner Größe von mir schon immer der Lange genannt). Über sieben Jahre haben wir uns nun schon nicht mehr gesehen, und dennoch war alles wieder beim alten. Hat mir echt gefallen, sich wieder mit ihm zu unterhalten. Natürlich haben wir alte Geschichten aus unserer gemeinsamen Wehrdienstzeit vorgekramt. Am Samstagabend war bei Angelo Livemusik in geselliger Runde angesagt. Bei der Gelegenheit wurden unsere Hochzeitsbilder per Beamer präsentiert und so manche Flasche Wein geleert. Ich habe festgestellt, dass der Wein durchaus wohltuende Wirkungen auf mich hat. Auch wenn es mir etwas schlechter geht fühle ich mich nach zwei Glas Wein wesentlich besser. Ist übrigens kein Scherz, ich meine dies durchaus ernst.
Montag, den 12.04.2005
Heute hatte ich bei meiner Krankenversicherung einen Beratungstermin. Ich bin verpflichtet Erwerbsminderungsrente zu beantragen und muss natürlich auch irgendwie krankenversichert sein. Doch leider ist dies in meinem Falle nicht ganz einfach. Ein Rentenempfänger muss entweder seit 12 Monaten in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert gewesen sein, oder 7/8 seines bisherigen Berufslebens pflichtversichert gewesen sein. Beides trifft für mich nicht zu. Da ich selbständig war war ich bisher privat versichert und durch meine lange Zeit als Soldat kommt die 7/8 Klausel auch nicht zum tragen. Mit einfachen Worten ausgedrückt; ich muss EU-Rente beziehen, kann dann aber nicht krankenversichert werden. Eine für meinen Fall denkbar ungünstige Situation. Werde ich jetzt dafür bestraft dass ich jahrelang Staatsdiener in Uniform war? Ich versteh die Welt langsam nicht mehr. Jeden Tag, zumindest aber einmal die Woche, erhalte ich seit bekannt werden meiner Krankheit neue Hiobsbotschaften. Entweder abgewiesene Arztrechnungen meiner Versicherungen, Ablehnungsbescheide oder sonstige Formulare und Bescheinigungen. Somit habe ich ständig einen ansehnlichen Schriftverkehr mit Behörden zu meistern. Was machen Menschen in meiner Situation die nicht mehr in der Lage sind Dinge selber zu regeln? Es ist für mich immer wieder vom Neuen deprimierend.
Dienstag, den 13.04.2005
Habe den Morgen für viele Telefonate genutzt, um die Sache mit der KV (Krankenversicherung) zu klären. Als erstes rief ich beim Wehrbereichsgebührnisamt an um nachzufragen ob es nicht eine gesetzliche Regelung für mein Problem gibt. Natürlich nicht! Erstens sei ich in Zukunft nicht mehr Beihilfeberechtigt und auf mein Einwand hin dass man doch ehemalige Staatsdiener die erkranken nicht so hängen lassen kann wurde mir geantwortet:"Staatsdiener? Sie waren doch bloß Zeitsoldat." Ach so ist das also?! Ins Ausland hätte Vater Staat mich jederzeit schicken können, aber Staatsdiener war ich auf einmal nie. Nun gut, dass ist eben die besagte Gesetzeslücke. Was blieb mir jetzt noch übrig? Bei meiner privaten KV (30% Absicherung) erkundigte ich mich bereits nach der Umwandlung auf Vollversicherungsschutz. Das ist natürlich möglich, mit einer erneuten Gesundheitsüberprüfung. Also ebenfalls aussichtslos. Dennoch, es kann doch nicht sein. Ich rief wieder bei meiner privaten KV, diesmal mit etwas mehr Nachdruck und dem Hinweis dass ich doch ursprünglich eine Anwartschaft auf 100% absichern wollte. Ich wurde weiter verbunden und siehe da. Eine freundlich, fachkompetente Mitarbeiterin sagte mir es sei kein Problem aus meinen 30% Vertrag einen 100% Vertrag zu machen, ohne erneute Überprüfung meines Gesundheitszustandes und ohne Ausschluss meiner Krebserkrankung. Dem Himmel sei Dank! Eigentlich hätte ich mich heute vor Freude Volllaufen lassen müssen. Nur weiß ich ja dass einem Hoch auch schnell wieder ein Tief folgt. Zumindest ist die erste Schlacht zum Thema soziale Absicherung für mich zu Ende gegangen.
Donnerstag, den 14.04.2005
Habe wieder ein Kilo zugenommen. Jonas und ich waren im Zirkus.
15.04. bis 17.04.2005
Claudia und ich sind mit der MIT nach Ansbach gefahren. Es war eine tolle Fahrt. Am Samstag musste ich kurz eine Auszeit nehmen. Vermutlich hatte ich es am Abend zuvor etwas übertrieben.
Dienstag, den 19.04.2005
Wir waren heute bei Lord of the Dance in Bremen. Meine "Patentante" Petra hat den Abend für uns organisiert und hat uns mit Uwe auch begleitet. Es war ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Die Kombination aus Tanz, Rhythmus und Bewegung einfach Spitze. Wer die Möglichkeit hat Lord of the Dance zu sehen, sollte dies unbedingt tun. Der Abend war für mich mit gemischten Gefühlen untermalt. Auf der einen Seiten die Glücksgefühle so etwas schönes sehen und hören zu dürfen, auf der anderen Seite legt sich eine schwere Wehmut auf mich. Ich sitze in den Zuschauerreihen und stelle mir die Frage wie oft werde ich solche Abende noch erleben dürfen? Bei vielen schönen Momenten stellt sich mir mit dem Lachen diese Frage. Freude und Schatten liegen sehr dicht beieinander.
Donnerstag, den 21.04.2005
Heute gab es zum Frühstück Claudias selbstgemachten Obstsalat. Ich liebe diesen Salalt und ich liebe es, wenn sie mich auf diese Art verwöhnt. Da fängt der Tag auch gleich gut an und mein morgendliches rummuffeln hält sich dann in Grenzen.
Nach dem Frühstück ging es dann wieder nach Bremen in die Klinik. Es ist mein siebenter Krankenhausaufenthalt, und die sechste Chemotherapie steht mir bevor. Eigentlich habe ich überhaupt keine Lust, aber es muss ja wohl sein. Ich kann nicht gerade sagen dass ich im Moment stark bin und unglaublich Kämpfe. Kämpfen tue ich schon, ich kämpfe gegen den riesigen Klos in meinen Hals an. Es ist ein Klos des Widerwillens gegen das alles hier. Gegen das Essen, gegen die Gerüche und gegen die Geräusche. Vieles sehe ich hier mittlerweile gelassen, wie z.b. die Wartezeiten beim EKG oder Lungenfunktionstest, das meiste aber kann ich fast nicht mehr ertragen. Ich hasse das Essen hier und mir wird fast schlecht, wenn ich das Frühstück schon rieche. Es würgt mich dann. Allein der Gedanke dass es sich nun um die vorerst letzte Chemo handelt bringt mich voran und lässt es mich mit einer Gewissen coolnis angehen. Der Tag verlief relativ normal. Die Chemo wurde wieder mal verschoben da meine Blutwerte nicht passten. Aber auch das ist ja nichts neues mehr und bringt mich alten Chemohasen nicht mehr aus der Ruhe. Angenehm war heute den Professor mal wieder kurz gesehen zu haben. Beim letzten Mal als ich hier war hatte er Urlaub. Der Herr Professor und die Doktoren sind zufrieden mit meinem Zustand und freuen sich über meine erneute Gewichtszunahme (72 kg). Man beachte dass ich noch im Januar bei 62 kg lag und mich jeder vor einen weiteren Gewichtsverlust durch die Chemo warnte. Irgendwann kam auch das Abendessen und ich wusste, dass ich es nicht durch meinen Hals kriegen würde. Zum Glück es kam ein Anruf und mein Freund Uwe kündigte sich an. Wir trafen uns bei unserem Stammchinesen der ungefähr 3 Fußminuten von der Klinik entfernt liegt. Hier haben wir bisher jedes Mal gegessen, wenn ich in Bremen war. Jedes Mal ohne einer einzigen Unterbrechung. Uwe nahm sich bisher immer die Zeit und er hat weiß Gott genug um die Ohren. Ich muss aber auch zugeben dass ich ein angenehmer Gesprächspartner sein kann. (Hoffentlich verliere ich nie meine gnadenlose Selbstüberzeugung und meinen etwas eigenartigen Humor!) Am spätem Abend sah ich noch etwas fern und freute mich wieder einen Tag im Klinikum Bremen überstanden zu haben.
Freitag, den 22.04.2005
Das Frühstück konnte ich fast nicht anrühren. Ich zwang mich wenigstens ein halbes Brötchen zu essen. Kurz darauf wurde mir erneut Blut abgenommen um zu prüfen ob ich fit für die sechste Runde bin. Alles klar! Es konnte losgehen. Während die Infusion reinlief las ich und sah fern. Übrigens sah ich dank DVB über den Laptop fern. Gegen 18:00 Uhr ist dann endlich alles reingelaufen und ich wurde kurze Zeit später von Uwe und dem kleinen Schwarzen abgeholt. Die Sonne schien und wir fuhren kurzzeitig mit 265 km/h über die Autobahn. Man kann das Leben schön sein!
Sonntag, den 24.04.2005
Gestern Abend waren Claudia und ich auf der –Ausstellerparty- der hiesigen Gewerbeschau. Das hätte ich wohl lieber lassen sollen, denn heute lag ich den ganzen Tag flach. Dieser Tag zählt zu einer der schlimmsten den ich während meiner Chemo durchmachen muss. Übelkeit und Schmerzen im ganzen Körper begleiten mich schon den ganzen Tag. Ich bin nicht mal in der Lage zu telefonieren oder zu lesen. Selbst fernsehen kann bzw. möchte ich nicht. Ich liege einfach nur da in einem leichten Halbschlaf und ertrage das Arbeiten meines Körpers.
Montag, den 25.04.2005
Eine Besserung meines Zustandes kann ich nicht feststellen. Wieder verbringe ich den ganzen Tag damit zu liegen. Ich sehe ein wenig fern und versuche auch ein wenig zu lesen. Beides gelingt mir nicht wirklich. Es ist so als hätte ich 40 Fieber. Da möchte man ja auch nur da liegen, kann nichts tun und hofft nur, dass es irgendwann wieder aufhört. Ich spüre diesmal sehr deutlich dass in meinem Körper etwas arbeitet. Schubweise und an verschiedenen Stellen macht sich ein kurzer Schmerz in den Knochen bemerkbar. Die Beine gribbeln so sehr das ich zwischendurch in der Luft Fahrradfahre, wie früher im Sportunterricht, um das Gribbeln wenigstens kurzzeitig abzustellen. Die Fingerspitzen sind besonders stark betäubt. Da fällt das Schreiben auf der Tastatur noch mal so schwer. Ich muss diesmal wirklich sagen, zwei super Scheißtage hinter mir gelassen zu haben. Jetzt kann es nur noch besser werden!
Dienstag, den 26.04.2005
Nun habe ich einen weiteren Tag im Bett oder auf dem Sofa verbracht. Ich fühle mich immer noch sehr müde und erschöpft. Mit den Kindern habe ich, um überhaupt etwas mit ihnen zu machen, einen Film im Schlafzimmer gekuckt. Wir kuschelten uns alle ins Bett und aßen dabei Popcorn. Das tat Jonas richtig gut. Er hatte gestern Abend wieder geweint mit der Frage was sein wird wenn ich nicht mehr da wäre.
Abends tat mir dann alles weh. Rücken, Füße, Knochen, einfach alles irgendwie. Langsam habe ich dass Gefühl, dass ich diesmal andere Medizin bekommen habe, aber wahrscheinlich ist mein Körper nun doch langsam an seine Belastungsgrenze gestoßen. Mental bin ich trotz allem gut drauf. Das macht es für uns alle leichter.
Mittwoch, den 27.04.2005
Auch heute kann ich nicht gerade von einem guten Tag sprechen. Habe heute die meiste Zeit mit lesen verbracht und habe sogar einen kleinen Spaziergang gemacht. Wird auch Zeit das ich endlich wieder unter Leute komme. Ich glaube in ein bis zwei Tagen bin ich mit dem gröbsten durch.
Freitag, den 29.04.2005
Nachdem ich gestern noch auf der faulen Haut lag, wagte ich heute endlich mal wieder einen kurzen Ausflug zu Angelo. Es wird also langsam wieder. Ich freue mich jetzt auf ein warmes, sonniges Wochenende.
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